Auf dem Rittergut Lucklum gibt es eine Vielzahl verschiedener Arbeitsbereiche – von der Landwirtschaft über die Gastronomie und die Kultur bis hin zu kirchlichen Belangen. Wir stellen Ihnen in dieser Reihe die Leiter der einzelnen Bereiche vor. Heute: Mauritz von Grundherr, der für die Biolandwirtschaft verantwortlich ist.

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Er ist jung, dynamisch und steckt voller Ideen für seine neue Aufgabe: Mauritz von Grundherr verstärkt seit Herbst 2018 das land- und fortwirtschaftliche Team des Rittergutes und leitet seitdem den neuen Bereich Biolandwirtschaft. Er soll den Betrieb auf den Flächen in und um Lucklum auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Und sich zudem um die Entwicklung der Tierhaltung sowie die Erzeugung von Waren für die Direktvermarktung kümmern.

„Das ist für mich eine extrem spannende Herausforderung, ein komplett neues Konzept für die Biolandwirtschaft zu erarbeiten und umzusetzen“, freut sich der 29jährige. Von Grundherr bringt dafür fundiertes Wissen und viel Praxiserfahrung mit: Nach seiner Lehre studierte der gebürtige Franke zunächst Landwirtschaft in Göttingen, schloss mit dem Bachelor of Sciene ab und leitete dann den Zweig Bio-Landwirtschaft in einem großen Betrieb in Thüringen. „Hier in Lucklum kann ich vieles selbst gestalten und prägen. Hinzu kommen ein nettes Team und natürlich das Rittergut als ganz besonderer Ort. Das ist schon eine einzigartige Kombination.“

Das Beste aus beiden Welten
Einzigartig ist beim Rittergut Lucklum, das organisatorisch zur Güterverwaltung Reinau gehört, aber auch das Nebeneinander von konventioneller und Bio-Landwirtschaft. Während in Lucklum unter der Regie von Mauritz von Grundherr und natürlich Geschäftsführer Helmut Gockel ökologische Methoden realisiert werden, kümmert sich Axel Reupke auf den übrigen Flächen der Güterverwaltung Reinau weiterhin um den konventionellen Anbau. „Das wird auf jeden Fall ein gutes Miteinander und ein reger Austausch werden“, betont von Grundherr. „Wir wollen voneinander lernen und gemeinsam besser werden.“

Bis die erste Bio-Ernte eingefahren werden kann, wird es allerdings noch dauern, denn es gibt genaue Vorschriften dafür, unter welchen Voraussetzungen Produkte dementsprechend bezeichnet werden dürfen. Die Umstellungsphase für die Erzeugung von Futtermitteln beläuft sich auf zwei Jahre. „Erste, für den Verzehr geeignete Produkte wird es aus Lucklum frühestens 2022 geben“, so der neue Betriebsleiter. „Und das auch nur unter der Voraussetzung, dass alle für die neuen Biobetrieb laufenden Genehmigungsverfahren nach unserem derzeitigen Zeitplan erteilt werden.“

Wir denken in Generationen
Nachhaltiges wirtschaften im Einklang mit der Natur, das ist die Grundidee der ökologischen Landwirtschaft. „Dahinter steckt auch die grundlegende Überzeugung, dass nur eine nachhaltige und zugleich wirtschaftlich ausgerichtete Land- und Forstwirtschaft zukunftssicher ist. Die langfristige Sichtweise und die Ausrichtung auf Generationen ist dabei ein wichtiger Aspekt“, betont Mauritz von Grundherr. Wie sieht das in der Praxis aus? Die Biolandwirtschaft möchte einen möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf erreichen. Futter und Nährstoffe soll so weit wie möglich der eigene Betrieb liefern. Die Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit spielt eine zentrale Rolle ebenso wie die artgemäße Tierhaltung.

Bio muss sich rechnen
Zu den entsprechenden Maßnahmen gehören unter anderem sowohl der Verzicht auf Pflanzenschutz mit chemisch-synthetischen Mitteln sowie auf mineralische Düngemittel. Stattdessen werden weniger anfällige Sorten in abwechslungsreichen Fruchtfolgen angebaut, Nützlinge eingesetzt oder mechanische Unkraut-Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen. Von Grundherr: „Für uns ist das hier in Lucklum auch eine Art Leuchtturmprojekt, mit dem wir zeigen wollen, dass Biolandwirtschaft auch wirtschaftlich attraktiv ist.“

Produkte für den regionalen Markt
Langfristiges Ziel neben der Erzeugung von Futtermitteln für die Tierhaltung ist es, Bio-Produkte für den lokalen und regionalen Markt anzubieten. „Im ersten Step werden wir unter anderem Weizen, Ackerbohne, Mais, Gerste, Kleegras und andere Futtermittel anbauen. Später sollen dann andere Produkte dazu kommen wie etwa Kartoffeln und Eier. Denkbar sind auch verschiedene Gemüse und auch Obstsorten“, so von Grundherr. Sie sollen später im gutseigenen Hofladen und auch in der Region angeboten werden. Das alles muss aber im Einzelnen noch entwickelt werden.

Das alles passt auch zu einer weiteren Zielsetzung des Rittergutes, nämlich die Land- und Forstwirtschaft wieder erlebbar zu machen. „Auf Events wie dem Holzmarkt haben wir dazu erste Ansätze entwickelt. Das möchten wir aber ausbauen und später Führungen anbieten etwa für Kindergärten und Schulen und vieles andere mehr.“ Jagdhund Fritze, der Mauritz von Grundherr auf Schritt und Tritt begleitet, ist auf diesen Part schon besonders gespannt, denn er ist für Neues ebenso aufgeschlossen wie sein Herrchen. Die Zukunft kann kommen.